Heidi, aus Hamburg
Schreiben soll ich einfach, was mir einfällt - sagt Dieter.
Ich schiebe es immer wieder vor mir her, denn schreiben heißt, mich an meinen Computer zu setzen, anstatt draußen in die Sonne auf den Groß-Neumarkt.
Heute Nachmittag war ich in einer Buchhandlung und wollte einmal sehen, was es Neues gibt. Während ich an den Regalen entlang ging stolperte ich und ein Buch fiel von einem Stapel herunter, mir direkt vor die Füße: “Die Prophezeiungen von Celestine”. Und da lag dieses Buch, sah mich an und fragte geradezu hörbar:
“Wann?” - “Wann endlich raffst Du Dich auf und schreibst, was Du anderen Menschen mitzuteilen hast?”
Also habe ich das Buch wieder zurückgelegt und bin nach Hause gegangen. Celestine - Celestine. Wann hat mich die Essenz der Aussagen von Celestine berührt?
Jedenfalls sehr lange, bevor mir das Buch zum Lesen in die Hand fiel. Ich glaube, es begann vor 22 Jahren.
Meine Kindheit war glücklich. Ungetrübt von Not und Leiden. Ich studierte Geowissenschaften, Germanistik und Romanistik. Das Leben war leicht.
Und dann kam der Einbruch. Mein Vater bekam mit gerade 50 Jahren einen Herzinfarkt, meine Mutter konnte und wollte nicht ohne ihn leben und wurde krank. Kurze Zeit später starb auch sie. Und ich war allein.
Heute weiß ich, dass diese Geschehnisse mein Leben verändert haben.
Damals war ich verzweifelt.
Ich bewarb mich um einen Studienplatz für Medizin, um zu verstehen, warum Menschen sterben müssen. Überall suchte ich nach einer Antwort.
Während meine Studienkollegen den menschlichen Körper untersuchten forschte ich nach der “Seele”.
Voller Trauer und Schmerz war ich ganz bei mir. Ich lebte von einem Augenblick zum andern. Plante nichts. Ich war nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft, bestand nur aus dem Gefühl in der Gegenwart.
Und deshalb war ich offen - für Fügungen.
Es war das erste Berühren der Erkenntnisse: die 7. Erkenntnis - der Energiefluß tritt ein, und damit die Fügungen.
An einer Pinn-Wand in der Mensa sah ich einen Anschlag:
“Homöopathie für Medizinstudenten - jeden Dienstag, 18.00 Uhr”.
Um was es sich handelte, wußte ich nicht. Aber ich spürte einen Sog.
Da mußte ich hin. Ohne zu Denken, nur aus dem Gefühl heraus besuchte ich die erste Vorlesung. Sie wurde von einem heute über 80jährigen homöopathischen Arzt aus Hamburg gehalten, Dr. Werner Buchmann. Ich hörte ihn, und war der Homöopathie verfallen. Es war eine Begegnung zweier Seelenverwandten.
Herr Buchmann wurde mir zum Lehrer und glaubte an meine Begabung, von der ich damals nichts ahnte. Er engagierte mich als Kurssekretärin.
Das bedeutete, ich konnte umsonst mit ihm zu den homöopathischen Kursen fahren, und dort habe ich mich um die Organisation der damals noch ziemlich kleinen Gruppe von Ärzten gekümmert. Es war eine Aufbruchsstimmung, damals, 1977, in Bad Brückenau/Rön.
Während ich einerseits kassierte, Listen schrieb, zusammenrechnete, konnte ich dennoch die Kursstunden besuchen und hatte das große Glück, einige der ganz großen homöopathischen Ärzte kennen zu lernen.
Ich wußte, daß ich mit der Homöopathie am Ziel meiner Suche war. In der
Homöopathie fand ich die Behandlung des Menschen in seiner Ganzheit. Dieser einzelne, individuelle Mensch mit seinen Ängsten, Hoffnungen, Wünschen, seinen Verletzungen, Demütigungen, seiner Trauer, seinem Schmerz, seiner Wut und die Somatisierung dieser Gefühle in Form seiner körperlichen Beschwerden.
Anfang der 80iger Jahre rief mich eine Freundin an und erzählte von einem homöopathischen Kurs auf Spiekeroog. Ich wußte nicht, wie ich es bezahlen sollte, aber wieder einmal wußte ich, da muß ich hin. Die Dinge fügten sich und ich fuhr auf die Insel. Dort lernte ich Peter kennen. Wir begleiteten uns die nächsten 8 Jahre und lernten viel von einander. Er schenkte mir als erstes zwei Bücher: “Der brennende Busch” und “Die Einweihung”. Ich begann zu lesen und vor mir öffneten sich neue Welten. Damals wußte ich noch nichts über esoterisches Gedankengut. Ich las und las. Arbeitete mich durch die theosophischen Schriften, durch Werke aus der westlichen und östlichen Philosophie. Vieles konnte ich nachvollziehen, vieles kam mir bekannt vor.
Aber lange Zeit blieb das Wissen noch vorerst in meinem Kopf, um erst allmählich hinunter in den Bauch zu gelangen.
Ich begann diese Verbindung zur göttlichen Energie zu spüren.
Ohne es zu wissen lebte ich die Fünfte Erkenntnis: Die Botschaft der Mystiker.
Inzwischen wurde ich gefragt, ob ich nicht als Dozentin für die homöopathische Ärzteausbildung tätig sein wollte. Ich traute es mir nicht zu, aber Herr Buchmann glaubte an mich. Also sagte ich “Ja” und hatte ja auch noch Monate Zeit.
Ein Freund erzählte mir vom Silva-Mind-Mentaltraining. Ich wußte wieder einmal nicht, was das ist. Aber wieder war mir klar - da muß ich hin!
Auch diesmal fügten sich die Dinge wieder wie durch ein Wunder. In München lernte ich, meine Gehirnfrequenzen auf niedrige Entspannung zu senken und in die Ruhe zu kommen. Dieses Training gab mir die Kraft, mich meiner Dozententätigkeit ohne Angst und Anspannung zu stellen.
Heute lebe ich die meiste Zeit in dieser leichten Entspannung, aber erst durch die Bücher von Celestine wurde mir klar, wie sehr ich gerade durch diesen inneren Zustand der Ruhe offen bin, von Außen Signale zu empfangen.
Es verging und vergeht fast kein Tag in meinem Leben, ohne daß zumindest ein kleiner Hinweis von einem Menschen, einem Tier, einer Situation an mich herantritt. Ich habe mich jeden Tag für diese glücklichen Zufälle bedankt. Dank Celestine weiß ich, daß nur ein in sich ruhender Mensch über diese Aufnahmemöglichkeiten verfügt, daher versuche ich, mich dabei zu erwischen, wenn ich herausfalle und kehre schnell in die Ruhe zurück. Dazu kommt meine meist sehr unlogische Art, einfach Hinweisen zu folgen, ohne das mein Kopf sich gleich einmischt und das Ganze ad absurdum führt.
Manchmal werde ich gefragt, ob es mir nichts ausmacht, wenn ich Kollegen die Homöopathie nahebringe, oder wenn ich Patienten ermutige, sich selber in therapeutische Berufe zu begeben. Es wären doch die Konkurrenten von morgen.
Ich glaube nicht, daß das so ist. Im Gegenteil. Ich glaube daran, daß wir Menschen nur weiterkommen, wenn wir unser Wissen mitteilen und uns gegenseitig helfen, so gut es geht. Wir werden immer mehr Menschen brauchen, die für kürzere oder längere Zeit einem anderen Unterstützung und Rat geben können. Je mehr sich der einzelne weiterentwickelt, je mehr werden wir alle etwas davon haben. So habe ich immer schon gedacht. Die Bestätigung fand ich wieder in Celestine. Die erste Erkenntnis: die kritische Masse.
Deshalb gebe ich meine Erfahrungen weiter. Deshalb mache ich keinen Patienten von mir abhängig sondern übergebe ihm das Wissen über seine eigene Verantwortung und Unabhängigkeit. Ich zeige ihm den Weg in seine eigene Freiheit, denn auch ich möchte frei sein.
Jedes Jahr einmal gab ich lange Zeit einen Kurs über Homöopathie für Laien im Sauerland. Es ist mir sehr wichtig, dieses außergewöhnliche homöopathische Denken zu vermitteln. Eines Abends kam ich zum Essen in die schön ausgebaute Scheune. Dort gruppierten sich Teilnehmer um eine große, dunkelhaarige Frau. Als ich näher kam, sah ich gerade, wie sie demonstrierte, wie man/Frau einen Revolver zieht. Ich traute meinen Augen und Ohren nicht. Dies in diesem friedlichen Plätzchen? Schnell gab ich mir einen inneren Tritt und sagte mir: Erst einmal zuhören und zulassen. Steck Deine ewigen Vorurteile wieder weg! Und so lernte ich meine heute beste Freundin Birgit kennen. Durch sie erfuhr ich ganz viele neue Dinge, die Hexen von Eastwood sind dagegen gar nichts! Birgit führte mich ein in keltisches Gedankengut. In das Wissen der Weisen Frauen, in die Nebel von Avalon, in die Mondzyklen, die weiblichen Rituale aber auch in Erdständigkeit, Kampfkünste, Machtstrukturen.
Ich begriff, daß ganz viele Menschen “im Aufbruch” sind, ganz viel wissen, was früher als Geheimwissen galt. Ich verinnerlichte die erste Erkenntnis: die Kritische Masse. Denn es kamen immer mehr Freunde in mein Leben, und alle “wußten”.
Ich lernte von Birgit auch viel über Machtkämpfe in der Wirtschaft. Sie war und ist mein Auge, durch das ich auf andere Strukturen sehen kann.
Denn ich selber lebe fast in einem Elfenbeinturm in meiner Praxis und Wohnung, in meiner heilen Welt. Ich verstand mehr und mehr die Hintergründe, und daß das niemals die Menschen weiterbringen würde.
Ich bekam Kontakt zur vierten Erkenntnis: Kampf um Macht.
Wäre ich Birgit mit all meinen Prinzipien im Kopf begegnet, hätte ich sie nie kennengelernt. Heute weiß ich, das war die achte Erkenntnis: Interpersonale Ethik.
Nämlich jedem Freundschaft und Inspiration schenken. Hätte ich das nicht getan, was alles wäre mir entgangen!
Durch meine Vortragsarbeit habe ich viele Menschen kennengelernt, manche sind zu guten Freunden geworden. So auch Dieter Fleckenstein.
Zu jedem homöopathischen Kurs gehört ein Gesellschaftsabend. Auf dem Weg dorthin verlockten mich ein paar schöne Blumen zum Stehenbleiben. Ich kam etwas später, und die meisten Tische waren besetzt. Aber da gab es in der Ecke einen Tisch, an dem saß nur ein Mann. Auch das hatte sich gefügt: es war Dieter. Und damit begann der erste Austausch und eine Freundschaft.
1986 habe ich meine kleine homöopathische Privatpraxis in Hamburg aufgemacht, direkt am Groß-Neumarkt. Es ist ein kleines Viertel, bei schönem Wetter fast von italienischem Flair. Zweimal die Woche ist dort auch Markt.
Die Praxisräume habe ich auch wieder durch eine Fügung bekommen.
Damals wohnte ich noch unten am Hafen und hielt mich nie oben in der Neustadt auf. Doch eines Morgens zog mich etwas die Stufen hoch, am Michel vorbei und auf den Platz. Es zog mich weiter, bis an eine Häuserecke, und dort sah ich ein Schild: Wohnung ab sofort zu vermieten! Ich habe sie besichtigt und das war sie und das ist sie - bis heute.
Einer meiner ersten Patienten war Edi. Er kam mit seinem ekzemkranken Sohn ganz aus Ulm. Dort hatte er per Zufall in einer Zeitschrift einen Artikel über mich gelesen und es zog ihn her. Auch dies war wieder eine schicksalhafte Begegnung. Durch die homöopathische Behandlung des Kleinen angeregt gab Edi seinen Beruf auf und befaßte sich mit Natur und Naturkleidung. Heute fährt er über die Märkte und stellt eine eigene kleine Kollektion aus Naturstoffen ökologischen Anbaues her. Ungebleicht, ungefärbt, absolut hautfreundlich.
Von Edi habe ich viel gelernt über den Aufbau und die Führung eines Betriebes.
Er ist ein Schwabe. Und Schwaben können das gut, besonders wenn so viel eigenes Erleben und Begeisterung mitschwingt!
Ich lerne, strukturierter zu denken. Ich lerne viel über Anbau und Stoffkunde. Und ich befasse mich mehr als je zuvor mit Umwelt und zukünftigen Lebensbedingungen.
Seine Pullover werden im Einklang mit der Natur hergestellt,
sind so verträglich für die Haut und auch so schön, daß ich zusammen mit meinem Mann damit ebenfalls hier im Norden auf Märkte gehen werde.
Im Februar 1992 hielt ich einen Vortrag. Ich hatte gerade angefangen zu sprechen, da ging die Tür auf. Ein Mann kam herein. Ich hielt den Vortrag nur noch für ihn. Die Jahre darauf hat er mein Leben bereichert. Thor, der germanische Gott des Donners. Donner, Blitz, physikalische Gesetze. Thor ist Physiker. Ich lernte von ihm viel über Energien, über Energiefelder und Energiesysteme. Materie ist Geist auf niedrigerer Schwingungsebene. Albert Einstein.
Energie ist Materie. Geist ist Materie. Materie ist Energie.
Plötzlich begriff ich so Einiges. Klar, daß ein Wunsch Energie darstellt. Wenn ich mir etwas wirklich wünsche, mit all meiner Gedankenkraft, und ich es fokussiere, dann ist es eine potente Energie. Und wenn ich einige der andere physikalischen Gesetze dazu nehme, z. B. das Gesetz der Resonanz, dann ziehe ich natürlich mit meiner Energie auf meiner Energieebene genau das resonante Resultat an.
Logisch! Physikalisch erklärbar!
Wo steht eigentlich, daß Esoterik Spinnkram ist, nicht beweisbar?
Wenn ich meine Anatomieerkenntnisse nehme, weiß ich: der Mensch hat zwei Gehirnhälften. Die linke, die rationale, analytische, und die rechte, die intuitive, irrationale. So ein Gehirn kann ich anfassen, es ist ein Fakt.
Wir alle haben beide Gehirnhälften, auf daß sie zusammenarbeiten.
Damit macht das Irrationale zumindest die Hälfte des Menschen aus, die Hälfte der Welt!
Ich begegnete der dritten Erkenntnis: Wir leben in einem Universum voll dynamischer Energien.
Und ich verliebte mich in das Apfelmännchen. Ab und zu muß es ein scheinbares Chaos geben, aber im Chaos ist Struktur.
Das half mir, meine dynamisch energetischen Phasen meines Lebens zu erklären.
Es lebe die Chaostheorie! Also sah ich Jurrassic-Parc und verstand ganz viel über mich und mein Leben.
Das Weltbild hat sich verändert. Waren es die Physiker, die als erste den Geist aus der Wissenschaft herausgenommen hatten, sind es jetzt wiederum die Physiker, die den Geist in der Wissenschaft sehen.
Angeregt durch Thor habe ich mich mit der Geschichte der Wissenschaften befaßt. Und ich fand die Parallele. Es war ein spannender, faszinierender Moment, zu entdecken, daß Wissenschaft und Esoterik ganz eng miteinander verflochten sind. Die Menschen sind verstandesmüde geworden, die linke Gehirnhälfte hat sich überdimensional entwickelt, der Mensch kippt sozusagen zur Seite. Sein Gleichgewicht kann er nur erlangen, wenn er sich schnellsten wieder seine irrationale Seite zurückholt. Nichts anderes tun die Physiker.
Die Physiker, die erkannt haben, daß jeder, der einen Versuch durchführt, diesen allein durch seine Anwesenheit subjektiv beeinflußt.
Indem ich die Dynamik in den Natur- und Geisteswissenschaften versucht habe, zu durchschauen, begegnete mir die zweite Erkenntnis: die historische Bedeutung des Erwachens der Menschheit. Und ganz profan ausgedrückt: Wir konnten gar nicht anders, wir mußten endlich erwachen.
Da scheint auch ein physikalisch - geistiges? Gesetz Hinterzustehen, irgendetwas, was uns treibt.
Vor über 3 Jahren brachte mir Alexander einen Prospekt über ein Seminar mit. Ich habe die Zettel gleich danach “entsorgt”, weil ich keine Lust mehr auf irgendetwas Theoretisches hatte. Kurz danach erzählte mit einem Freund ebenfalls von diesem Seminar und als das dann ein 3. Mal auf mich zukam, wußte ich, das Schicksal klopft mal wieder an meine Tür. Das Seminar begann mit einem Vortrag am Freitag, dann ein langes Wochenende. Ich meldete mich an, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. “Event” - das Ereignis.
Zumindest glaubte ich, etwas für meine Arbeit mit Patienten zu lernen. Was ich nicht wußte war, daß mir über 35 Stunden lang mein tägliches Verhalten auseinandergenommen werden würde.
Ich lernte mich mit all meinen Abwehrmechanismen kennen, erkannte die
weit aus der Kindheit kommenden Prägungen und Muster, erfuhr und erfühlte meine Blockaden und Hemmungen. Wieder öffnete sich für mich ein weiteres Fenster. Ich war begeistert. Was für eine weitere Perspektive für mein Leben, für meine Beziehungen mit Menschen, für meine Arbeit! Ich nahm noch mehrmals an den “Event-Trainings” teil, vor einigen Wochen auch am “A real voice”, wo es um den wahren Ausdruck geht. Um das, was ein Mensch wirklich sagen will.
Seit über 3 Jahren arbeite ich inzwischen am Erkennen und Verändern meiner alten überholten Strukturen und bekomme immer mehr eine Ahnung davon, was wirkliche echte Lebendigkeit und Lebensfreude ist.
Auch hierüber las ich in den Büchern von Celestine: Klärung der Vergangenheit, Loslassen von Blockaden, die sechste Erkenntnis!
Klar! Nur wenn ich nicht einsteige in das Dramadreieck, indem sich die menschlichen Beziehungen meistens bewegen, bleibe ich bei mir und kann es von dieser Warte aus hören, was ein anderer mir wirklich zu sagen hat, dieses Geschenk erkennen, welches er mir geben will und ich ihm.
Durch meine Arbeit an mir erobere ich mir mit jedem Monat mehr von diesem wunderbaren Leben. Mutig begann ich vor 2 Jahren Argentinischen Tango zu lernen. Tango Argentino, dieses getanzte Leben. Dieser Tanz der Gefühle.
Zwei Patienten erzählten mir etwas über Motorroller. Ein alter Traum von mir. Mein Bauch hüpfte vor Freude bei dem Gedanken an so ein Gefährt. Einen Tag später lag in meinem Briefkasten ein Prospekt über Roller. Am nächsten Tag kam ein Freund berichtete, seine Autowerkstatt hätte zwei Motorroller zum Verkauf stehen, einen in rot. Der würde genau zu dem passen, was ich gerade anhatte. Meine Ohren klingelten. Eine Stunde später war ich unterwegs in Richtung Werkstatt.
Ich habe nie ein Auto besessen, und nun erfüllte ich mir diesen Traum: einen knallroten Motorroller. Damit fuhr ich fortan an den Abenden zum Tanzen.
Tango Argentino wird spätabends getanzt. Manchmal wäre ich nicht mehr aus dem Haus gegangen, hätte ich nicht meinen Roller gehabt.
Ich erinnere mich gut an die letzte Maiwoche 1996. An dem Tag hatte ich viel und gut gearbeitet. Eigentlich war ich müde. Um noch etwas Musik zu hören griff ich in die CDs. Tango, Tango. Dann gab’s ein leichtes Gepolter. Meine Tangoschuhe waren aus dem Regal gefallen. Also zog ich mich wieder an und fuhr zum Tango. Da war ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte. Wir tanzen zusammen. Im Oktober haben wir geheiratet. Unsere Hochzeitsfeier war wie ein Straßenfest. Wir hatten uns gewünscht: Bringt nichts mit, macht etwas!
Tango, der Motorroller, die heruntergefallenen Tanzschuhe - Fügungen.
Aber ich weiß auch, ich mußte mich erst hinentwickeln zu dieser Begegnung. Vieles mußte vorher gelöst werden, viele Veränderungen waren notwendig, viel Arbeit an mir, bis ich diesen wunderbaren Mann treffen durfte. Mit 46 Jahren!!
Vor einigen Monaten lief im Fernsehen ein Film. “Du gehörst zu mir, Sandra”.
Dieser Film hat mich sehr berührt. Es ging um die Geschichte eines Mädchens, das zurück zur Mutter kommt. Eine Woche lang dachte ich daran und ich dachte an Sandra. Die andere Sandra. Meine Sandra.
Mit ihrem Vater hatte ich 8 Jahre gelebt. Er kam zu mir mit Sandra. Damals war sie 7 1/2. Nach der Trennung kam sie noch 1 Jahr immer wieder zu mir, dann plötzlich nicht mehr. Ich verstand es nicht. Die Jahre vergingen.
Ich dachte an den Film, ich dachte an die zurückliegende Zeit, ich dachte an Sandra.
Freitagnachmittag, eine Patientin verschiebt ihren Termin. Irgendetwas in mir sagt, ich sollte in die Stadt laufen, ins Alsterhaus, runter zu Wom, wo es CDs und Videos gibt. Ich wußte nicht, was ich da eigentlich sollte. Aber es zog mich dort hin. Ziemlich ratlos stand ich zwischen den Regalen. Da sah mich eine junge Frau an und sagte nur: Heidi?
Wir fielen uns in die Arme und weinten und weinten. Zogen dann in den Alsterpavillon und erzählten über die vielen vergangenen Jahre. Daraufhin Hand in Hand nach Hause, und dort haben wir weitergeredet, bis in die Nacht.
Eine 30 Jahre junge, wunderschöne, kluge, liebenswerte Frau. Seither gehört sie wieder zu meinem Leben und ich zu ihrem. Ich danke für diese Fügung. Auch sie ist lange vorbereitet worden. Nicht zuletzt durch das intensive Denken in der Woche davor. All meine Energie hatte sich auf Sandra gerichtet. Die Zeit war reif für die Widerbegegnung an jenem Freitagnachmittag.
Wenn ich mein Leben heute betrachte, kann ich von ganzem Herzen sagen, ich bin ein sehr glücklicher Mensch. Ich spüre Schmerz, Trauer, manchmal ein wenig Wut, ein bißchen Angst, ich bin auf dem Weg zur Lebendigkeit.
Und weil ich, um die Möglichkeit des menschlichen Seins weiß, steht in meinem Leben meine persönliche, ganz individuelle Entwicklung im Mittelpunkt.
Und damit stolper ich schon wieder einmal über eine Erkenntnis von Celestine, die neunte Erkenntnis, die letzte: eine neue Kultur wird Auftauchen.
Die Menschen werden sich nicht mehr in erster Linie bemühen um ein Auto, Kleidung, Schmuck, ein Haus. Sie werden sich um sich bemühen. Um ihre eigene Entwicklung. Eine spannende Vorstellung, eine wunderbare Zukunftsvision.
Celestine.
Hallo Heidi wo hast Du Deine Praxis in Hamburg? Dein Bericht hat mich sehr berührt. Liebe Grüße von Heide Ilka
Kommentar von Heideilka — 9. November 2007 @ 20:24