Sigrid, Ordensschwester aus Süddeutschland (Tonbandprotokoll)
Bei der Celestine habe ich eben gefunden, dass es viele Wege zu Gott gibt und nicht nur den einen Weg der Kirche. Dadurch bin ich frei geworden, und das war so:
In einer Zeit, in der die gesamte Kirchenführung aller Religionen über Abwanderung ihrer Glaubensmitglieder sich beklagen, ist meiner Meinung nach die Aufgabe insbesondere in der Familie und dies vorzugsweise bei den Kinder zu sehen.
Das Leben hat mich schon von Kind auf an geprägt. So führte mein Weg nach Hongkong, wo ich die Ordensschwester kennenlernte. Angetan von der Arbeit und Hinwendung dieser Frauen, die mitten in Hongkong für die armen der Ärmsten bereit waren, ihr tägliches Dasein in Liebe und Aufopferung zu geben, bildete mir gerade dies ein Vorbild, dem ich in meinem künftigen Leben meine ganze Aufmerksamkeit schenken sollte.
Meine Aufgabe sehe dort zu sein wo die Hilfe in den Familie benötigt wird. Also so etwas Ähnliches wie eine Großfamilie, wie wir es von früher her kennen, dass man wirklich um sich herum die Großmütter, die Großväter, Onkel und Tanten hat. Es werden heutzutage Verbindungen willkürlich gekappt. Selbst die jungen Leute vereinsamen, jeder lebt nur für sich. Ich bin Christusträger. Überall wo ich mit ganzem Herzen bin. Ich meine, das andere, die Reinkarnation, das ja völlig abgelehnt wird. Das sind Wege, wo man Menschen auch begreifen kann, was uns unbegreiflich ist. Aber da ein bisschen zu sagen, Mensch hört mal zu und ihr geht genau so aus der Kirche raus, wie ihr reinkommt. Mensch wir sind doch auf DU ausgerichtet, keiner kann im Grunde alleine leben und das mal wieder überhaupt ins Bewußtsein zu helfen, was Kirche eigentlich ist im ursprünglichen Sinne, nämlich lebendiger Leib Christi. So wie wir sind, so ist auch die Kirche. So wie das schwächste Glied, so ist die Kirche. Das war neulich mal ein ganz interessantes Gespräch. Da haben sie auch so vom Menschen gesprochen und vom Gotteshaus, da sagten die Kinder, die Wohnung des Hauses macht es nicht, sondern die Menschen, die drinnen leben. Und genau so ist es mit der Kirche. Wenn ihr jetzt sagt, der und der hat Fehler gemacht, jetzt gehe ich weg, dann werden die Fehler bleiben, wenn ihr kommt, dann kann man etwas ändern. Und genau so ist es dann eben auch, so wie wir sind, so ist die Kirche. Nur so und nicht anders. Dass das natürlich von unten nach oben kommen muss, ist auch klar.
Das war für mich seltsam, ich war ja auch evangelisch und da bin ich nie auf die Idee gekommen, in einen Orden zu gehen. In Hongkong habe ich in kleinen Schritten den Jesus kennengelernt und dort die Anbetung. Das hat mir sehr gut gefallen in der Hektik eine wunderschöne kleine Kapelle, wo ich einfach still sitzen konnte. In Deutschland ich war nach meiner Rückkehr 10 Monate in München, habe dann aber gemerkt, das ist für mich zu schwierig. Ich begann die Erzieherinnenausbildung, das war schon immer mein Wunschtraum. Jetzt ist es soweit, du hast Geld und die Möglichkeit, jetzt kannst du es noch machen. Ich wohnte in einem Mädchenwohnheim und lernte die Oberin dieses Klosters, wo ich jetzt bin, kennen. Das hat mir eben dann so gefallen. Ich wollte die Ausbildung in München zu Ende machen und dann kam die Oberin und sagte, ob ich mir vorstellen könnte, den Ausbildungsplatz zu wechseln und in einen Orden meines Ausbildungsstandes zu kommen. Ja wenn die Schule mich nimmt, dann bin ich dazu wohl bereit. Ich habe gedacht, ach die Schule nimmt mich nie. Damals kam man kaum an so eine Schule rann. In München, das war auch eine sehr gute Schule, da wußte jeder, wer da war, der kriegt auch einen Ausbildungsplatz und da bin ich auch wie durch eine Fügung reingerutscht. Na ja, und dann haben sie mich und dann war das Interessante wieder da, dass es immer darum ging, in einer Kleinstadt eine Niederlassung zu gründen wegen Thomas von Kempten. Weil der eben auch bei den Brüdern vom „Gemeinsamen Leben” war. Und da habe ich gedacht, du bist ja noch nicht einmal eingetreten, dich trifft es eh nicht. Das hatte ich noch kaum ausgedacht, da kam wieder die Oberin, ob ich mir vorstellen könnte, dahin zu gehen. Ich war dann sehr gerne dabei.
Celestine ist ja sicherlich nicht das einzige Buch in dieser Richtung. Es gibt ja noch die eine oder andere Literatur, die ich gelesen habe. Ja, das ist einfach so. Viele sind so furchtbar eng, auch die katholische Lehre ist in sich sehr eng. Und dadurch, dass ich aus dem evangelischen Raum kam, hatte ich viele Vorteile. Ich habe ja viele rituelle Gesänge so nicht miterlebt und habe dann eben bemerkt, in der evangelischen Kirche ist das und das ganz toll und in der katholischen Kirche ist das und das etwas anders. Und bei der Celestine habe ich eben gefunden, dass es viele Wege zu Gott gibt und nicht nur den einen Weg der Kirche. Dadurch bin ich frei geworden. Ich kann wohl sagen, auch wenn jetzt für mich klar ist, jede Kirche braucht eine Leitung, Ich kann den Papst anerkennen aber trotzdem mein Gewissen ist die höchste Instanz. Sagt ja auch die katholische Kirche. Und da habe ich erst begriffen, was das bedeutet, ich darf meinen Weg gehen. Ich muss mich nicht einengen lassen in Verbote und Regeln. Die katholische Kirche hat es so schon auch gemacht wie damals die Pharisäer. Ich bin auf der Welt, um Liebe leben zu lernen. Und das ist das Ziel des Lebens für jeden. Dazu sind wir auf der Welt, das zu lernen wie auch immer. Der eine in dem Milieu, der andere im anderen Milieu. Ich habe mich z.B. auch immer gefragt, wieso bin ich jetzt in dieser Familie. Das hast du dir ausgesucht, ich sage und warum ist das immer verschleiert, ja weil du das andere nicht erträgst, wenn alles wieder klar ist. Und dadurch ist mir vieles bewusst geworden. Ich konnte auch viel heile, auch die Versöhnung mit meinem Vater, weil ich in dieser Familie das lernen kann, was ich lernen sollte.
Das war für mich faszinierend, weil, manches habe ich schon immer gedacht, ich weiß nur nicht, ob ich damit auf dem Holzweg bin.
Ja in dem einen Buch stand geschrieben, dass es einmal so kommt, wenn sie wirklich in Gott gewollten Dimensionen leben, die beschreiben das dann so, dass es da auch einzelne gibt, Familien gibt und wie das Leben dann aussieht und dass es da auch zu Trennungen kommt aber dass man dann nicht im Bösen auseinander geht, sondern es kann sogar passieren, dass man im Haus leben bleibt und es schafft, dann eine Basis zu finden und dass jeder wieder auch einen neuen Partner finden kann. Die katholische Kirche ist ja so fixiert auf die Unauflöslichkeit der Ehe auch und das geht ja manchmal nicht. Das ist ja irgendwo ein Fehlschluss. Also heute ist das andere Extrem, dass Menschen sagen, na gut wenn es nicht klappt, gehen wir auseinander. Da kann es zu keiner Konfliktbewältigung kommen. Es ist da überhaupt keine Bereitschaft, zu bleiben. Viele sind daran kaputtgegangen. Nur die haben sich nicht getraut, sich scheiden zu lassen. Man kann auch für Kinder einen Weg finden.
Das kam eben durch die Entscheidung, nach Hongkong zu gehen. Ich wollte frei sein und stand dann vor der Entscheidung, heiratest du jetzt oder gehst du nach Hongkong. Da bin ich dann nach Hongkong gegangen und damit waren die Weichen gelegt. Mir sind auch die kleinen Schwestern Jesu begegnet. Ich bin meinen Weg weitergegangen. Die Klosterschwestern aus Irland die haben mich fasziniert durch ihren Einsatz. Da habe ich immer dann Halt gefunden. Sie sagten aber auch, du wirst noch einmal Schwester. Da habe ich gesagt, ihr spinnt, ihr seid verrückt. Ich habe Kindergottesdienstarbeit gemacht in Polikliniken, Hausbesuche und in Schulen Religionsunterricht gegeben. Da lag auch einfach meine Begabung, das hat die Ausbildung nachher auch ganz klar gezeigt. Und vor allem die Erzieherinnenausbildung ist ideal, weil dadurch kann ich das, was ich sonst nur theoretisch lerne, umsetzen. Und so lerne ich mit Kindern umgehen. Was für Kinder gut ist, ist auch für Erwachsene gut. Wenn Kinder von mir begeistert sind, dann sind es auch die Eltern. Meine Vision für die Kirche und überhaupt für mich persönlich bedeutet, Liebe leben.
Unsere Arbeitsgruppe hat sich in an verschiedenen Orten getroffen .In Wuppertal, Stuttgart, Wuppertal. Die eine ist beim Theater die andere auf der Bühne. Ich meine, Schauspielerinnen sind ja immer unterwegs, die haben ja mal hier ein Engagement und mal dort. Sie sind freie Schauspieler. Die Frohmut war beim Theater, ein freies Theater, und sie selbst hat das Theater gegründet. Und die Monika, die arbeitet mal hier und mal dort in Deutschland.
Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen und arbeiten kontinuierlich uns durch die Arbeitsbücher und motivieren uns.