Celestine-Erfahrungen

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Reetgedeckte Häuser

Karla, 39, aus Göttingen

In meinem Bekanntenkreis wurde viel von dem Buch „Die Prophezeiungen der Celestine“ gesprochen. Ich mußte es mir einfach kaufen. In diesem Buch werden so viele Ereignisse geschildert, die ich irgendwie in ähnlicher Weise bereits erlebt hatte, aber bisher nicht in Worten wiedergeben konnte. So war ich fasziniert, wie einfach ich jetzt nach dem Lesen des Buches Lebenssituationen verstehen und besonders meine eigenen Lebensmuster erkennen kann. Darüber gäbe es viel zu schreiben, doch beschränke ich mich auf nur zwei „Begegnungen“, die ich meiner besten Freundin erzählt habe: „Schlaflose Nächte, gerädert auf der Arbeit. Schrecklich war diese Zeit. Ich mußte eine Entscheidung treffen. Was sollte ich tun? Kopfschmerzen tagein, tagaus, und dazu auch noch diese Träume. Träume, die immer wieder kamen. Inzwischen waren es fünf verschiedene und doch immer dieselben. Doch diese Träume halfen. Einer davon gab mir den entscheidenden Impuls, gab mir die Entscheidung. Der Traum mit den reetgedeckten Häusern.”

„Mit reetgedeckten Häusern?” fragte meine Freundin Heike.
„Ja, deshalb bin ich in den Norden gezogen. In meinem Traum irrte ich in der Luft umher, wie das so in Träumen ist, ich flog über eine Stadt, auf der einen Seite waren Hochhäuser, es war laut, es gab viel Straßenverkehr. Auf der anderen Seite war es ruhig und grün. Hin und her schweifte ich. Rechts die Hochhäuser, links Wald und Wiesen. Und mittendrin reetgedeckte Bauernhäuser. Deutlich sah ich alles vor mir: die Reetdächer, die Pferdekoppel, eine alte Frau mit einer blauen Schürze und einem blauweiß-gemusterten Kopftuch, die im Garten arbeitet, viele Blumen, Gänse, Kühe auf der Weide und einen Wald.

Ich dachte mir, wenn ich von reetgedeckten Häusern träume, soll ich wohl nach Hamburg ziehen. Drei Stellenangebote hatte mein damaliger Freund, in drei verschiedenen Orten und ich hatte ihm versprochen, ihn zu begleiten. Dafür durfte ich mir meinen zukünftigen Wohnort aussuchen und ihm damit seinen Arbeitsplatz. Ich dachte mir, der Traum zeigt mir den Weg: Vielleicht bin ich die alte Frau in so und soviel Jahren und entschied mich für Hamburg.”

„Und seid ihr nach Hamburg gezogen?” fragte Heike interessiert.

„Ja, sind wir. Nachdem die Entscheidung gefallen war, ging alles ganz leicht. Wieso habe ich mich bloß so gequält? Alles lief wie am Schnürchen: wir fanden eine schöne Wohnung, ich sofort eine Arbeit, mein Freund erhielt nach der Probezeit die Festeinstellung und Freunde hatten wir auch schnell wieder. Trotzdem war ich dort sehr unglücklich, bedingt allerdings auch dadurch, daß meine neue Arbeitsstelle mich überhaupt nicht zufriedenstellte. Ich zog mich in mich zurück, war viel zuhause und doch irgendwie unruhig. In der Zeit erhielt ich viele Zeichen, die auf meinen zukünftigen Ehemann hindeuteten. Das wußte ich damals nur noch nicht. Es dauerte noch neun Monate, dann trennte mich von meinem Freund und traf meinen jetzigen Mann Herbert.

Herbert und ich wohnten damals jeder in einer kleinen Wohnung, beschlossen aber bald zusammenzuziehen. Herbert besaß eine alte Villa, die er jedoch vermietet hatte. Zu dem Zeitpunkt kündigten glücklicherweise die Mieter und wir zogen zusammen in sein Haus in einen anderen Stadtteil Hamburgs. Es war Januar und wir hatten alle Hände voll zu tun, das Haus zu renovieren und einzurichten. Gleichzeitig hatte ich noch eine andere Arbeitsstelle angenommen und somit überhaupt keine Zeit die Gegend zu erkunden. Es vergingen also einige Wochen - inzwischen war es Frühjahr - bis ich die Zeit fand, spazierenzugehen.

Ich verließ das Haus und schlenderte die Straße, in der wir wohnten, in Richtung Osten. Widerlich war dieser Berufsverkehr; die Autos rasten nur so an mir vorbei. Uuuuh und dann auch noch Hochhäuser auf der linken Seite. Nein, das muß ich nicht haben, dachte ich und drehte mich mehr nach rechts. Plötzlich sah ich etwas Grün. Natürlich wandte ich mich in die Richtung und erblickte eine herrliche Buche und… ein Stückchen weiter: Reetgedeckte Häuser. Es war ein alter, restaurierter Dorfplatz. Fasziniert ging ich den kleinen Weg weiter, als ich rechts die Pferde auf der Koppel sah. Gänse? Oder sind das Enten? Und dann noch eine Frau im Garten, die mit der blauen Schürze und dem blaukarierten Kopftuch. Sie schneidet gerade Blumen. Im Hintergrund sehe ich die Wiese mit den Kühen darauf und dahinter viele Bäume, einen richtigen Wald.”„Mensch, da kriege ich ja eine Gänsehaut” meinte Heike.

„Die habe ich auch bekommen. Ich bin dort noch oft spazierengegangen. Ich konnte das alles nicht glauben, das alles so real ist. Denn zunächst habe ich diesen Traum verflucht, als ich in Hamburg so unzufrieden in meinem Job und in meiner Beziehung war. Wegen eines Traumes umzuziehen, so ein Unsinn. Aber jetzt weiß ich, daß es die richtige Entscheidung war. Es wurde ein Wendepunkt in meinem Leben. Wäre dieser Traum nicht gewesen, hätte ich meinen Mann nie kennengelernt. Ich meine damit, daß ich Gott sei Dank viel aus dem Bauch heraus Entscheidungen treffe und mich nicht von anderen Menschen beeinflussen lasse. Alle meine intuitiven Entscheidungen haben sich bisher als richtig erwiesen. Ich habe allerdings nie meine Ziele aus den Augen verloren. Seit dem Traumerlebnis achte ich sehr auf meine innere Stimme und auf die Visionen, die ich immer wieder habe.”

„Visionen. Das ist ja unheimlich.” wirft Heike ein.

„Na ja, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Zum Beispiel habe ich mich an einem Schreibtisch in einem Büro bei einem Geschäftsführer einer Firma gesehen, als man mir im Anschluß an ein Vorstellungsgespräch das Unternehmen zeigte. Ich muß dazu sagen, in diesem Teil des Geschäftshauses gab es aber kein Büro und den Mann, den ich dort als Geschäftsführer gesehen habe, war dort nicht Geschäftsführer. Ich aber sagte: Hier werde ich eines Tages einmal sitzen und nahm die Arbeitsstelle in einer anderen Abteilung des Unternehmens an. Es dauerte nur neun Monate und es fand in der Firma eine Umstrukturierung statt. Der damalige Geschäftsführer und auch seine Assistentin verließen das Unternehmen. Der neue Geschäftsführer baute die Büroräume um und an der Stelle, an der ich damals stand, wurde ein Büroraum errichtet. Und natürlich brauchte der neue Chef eine neue Mitarbeiterin und selbstverständlich saß ich bald an genau diesem Schreibtisch. Das meine ich mit Visionen.

Ich kann mir vorstellen, daß nicht nur ich diese Visionen habe. Bestimmt hast auch Du so etwas erlebt, oder?

„Na ja, so extrem wie Du hatte ich noch keine Visionen, eher Tagträume bzw. Déjà-vu-Erlebnisse.“ meinte Heike.

„Vielleicht hast Du bisher nur noch nicht so richtig darauf geachtet. Merke Dir einfach die Gedanken, die Du in solchen entscheidenden Augenblicken hast. Dann schaffst Du es bestimmt. Ohne diese Momente würden mir Entscheidungen sicherlich weiterhin schwer fallen.”

„Und was hat dies mit dem ‘Celestine’-Buch zu tun?” fragte Heike.

„Na ja, seit ich die ‘Celestine’ gelesen habe, fühle ich mich bzw. meine Gefühle bestätigt. Andere Menschen haben vielleicht das Aha-Erlebnis nach dem Lesen von ‘Celestine’ gehabt. Ich habe nur einfach eine Bestätigung dessen erfahren, was ich schon vorher wußte, allerdings war es alles unterbewußt. Jetzt kann ich meine Erlebnisse artikulieren und ich nehme meine Umwelt noch bewußter auf. Ich weiß jetzt, daß es noch viel mehr Menschen gibt, die solche Erlebnisse haben. Durch Unterhaltungen über das ‘Celestine’-Buch lerne ich diese Menschen kennen und es folgen viele intensive Gespräche. Das ist doch toll, oder?”

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