“Celestine-Erfahrungen”


Arbeitsgruppe Praxis

Die eigene Praxis-Arbeitsgruppe entstand zwangsläufig aus der Tatsache heraus, dass die überwiegende Mehrzahl der Patienten in der Sprechstunde mit den Büchern der Celestine konfrontiert wurden.

Protokoll eines Patientengespräches

Jeder Mensch strebt nach Liebe

Walter U., 70, aus Hamburg

Mein Leben war immer ein sich im Fluss befindlicher Weiterentwicklungsprozess. Schon als Heranwachsender lief mir der Richtige über den Wege, der mir eine Antwort oder Aufgabe anbot. Als junger Soldat, ich war bei der Marine, standen wir beim Einlaufen in den Hamburger Hafen an der Reling. Ich freute mich auf den bevorstehenden Landgang. Mein Vorgesetzter fragte mich: Werden Sie erwartet? - Jawohl von meiner Frau! - Sie sind doch gar nicht verheiratet. - Richtig. Ich weiß, dass ich die Richtige heute treffe. Abends am Elbstrand bei gutem Wetter zum Tanzen die richtige Musik, da stand sie, ich bin heute noch mit meiner Frau glücklich verheiratet.

Ich bin von meinem Vater so erzogen worden, dass meine preußische Herkunft prägend für mich war. Somit hatte ich immer eine verantwortungsvolle Position inne. Unterordnen und die Schnauze halten, gab es für mich nicht. Meine Aufgabe bestand stets darin, Leuten zuzuarbeiten, die Verantwortung hatten. Und das ist meiner Ansicht nach auch das Wichtigste, denn es gibt viele tüchtige Leute, aber wenige, die Verantwortung übernehmen. Die meisten Menschen benötigen jemanden, der sie auf irgendeine Weise beeinflusst und das habe ich stets als eine sehr große Verantwortung gesehen. Ich war immer sehr glücklich, wenn ich jemand, der nach Rat fragte, helfen konnte. Oft waren mehrere Gespräche nötig, um Klarheit für den Betreffenden zu erarbeiten. Ein gemeinsames Verständnis aufzubauen, benötigte nur ein wenig Zeit und Geduld. Hierbei habe ich festgestellt, dass Menschen sich danach sehnen und auch erwarten, dass man Ihnen die Wahrheit sagt. Nicht, dass man ihnen nach dem Munde redet oder etwas Gutes tut, sondern sie gerecht behandelt und dadurch respektiert. So ist es auch vorgekommen, dass wir uns von ausgesprochenen tüchtigen Mitarbeitern trennen mussten, wenn sie durch ihren Ehrgeiz und Arbeitseinsatz andere Mitarbeiter in ihrem Wachstum hinderten.

Sie erzählen uns, Sie hätten Ihre Aufgabe darin verstanden, Entscheidungsträgern in Ihrer Firmenleitung zuzuarbeiten. Als Personalchef unterlag es Ihnen, das richtige Personal für die Bedürfnisse des Unternehmens zu finden. Wie haben Sie sich auf die täglichen außergewöhnlichen Fragen vorbereitet?

Ich hatte in dem Sinne nie eine feste Arbeitszeit. Jeden Morgen stand ich mit Freude auf und fuhr in die Firma. Abends bin ich sehr früh aus dem Betrieb gegangen, da ich noch sehr viele anderweitige Interessen hatte, was aber heißt, dass ich in acht Stunden meine Arbeit schaffte. Zuhause konnte ich aus dem Abstand heraus meine Statistiken sowie den wichtigsten Fragestellungen bezüglich meiner Mitarbeiterprobleme nachgehen. Es verstand sich von selbst, dass stetige Fachliteratur mir dazu verhalfen, zwischen Gesetz und Menschlichkeit die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie müssen wissen, dass mit fast jedem Arbeitnehmer eine ganze Familie betroffen ist. Grundsätzlich habe ich mir in meinem Berufsleben jede Einzelentscheidung aus dem Abstand angesehen und darüber nachgedacht. Es stellt sich immer die Frage, was ist für den anderen wichtig? - Was will er wirklich? Jeder Mitarbeiter einer Firma stellt einen Teil des gesamten Unternehmens dar und verdient als solches den Respekt und die Anerkennung. Unsere Pförtner zog ich grundsätzlich an jedem Morgen in mein Vertrauen. Ich informierte ihn darüber, wen ich im Laufe des Tages als Gast erwarte, und wohin sie ihn begleiten sollten. Dem Menschen ist auch wichtig, Verantwortung zu übertragen und nicht nur Arbeit. Das ist meines Erachtens eines der wichtigsten Merkmale einer guten Unternehmensführung. Es macht Sinn, einen Arbeiter oder Angestellten mit einer Tätigkeit zu beauftragen, woran er im Verhältnis zu seiner Arbeit sein weiteres Wachstum selbst erkennt. Ein Facharbeiter, der sich für die Einarbeitung eines schwer eingliederbaren Jugendlichen meldete, konnte fortan auch im Familienkreis erzählen, dass er von jetzt an für die Ausbildung eines jungen Mannes die Verantwortung trägt. Das hebt nicht nur sein Ansehen, sondern auch sein Selbstwertgefühl. Er muss jemanden ausbilden, er ist verantwortlich für ihn. Meiner Meinung nach drängt der Mensch von Geburt an nach Anerkennung und sichtbaren Zeichen. Der Mensch strebt immer nach Liebe.

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