Jürgen aus Gärtringen
Zu jener Zeit hatte ich gerade einige eher ernüchternde Erfahrungen mit Partnerinnen erlebt. Ich wollte aber den Glauben nicht aufgeben, dass es die Frau gibt, die für eine spirituelle Weiterentwicklung aufgeschlossen ist. Eine Frau, frei von dogmatischen Glaubensbekenntnissen, eine, die mit beiden Beinen auf dem Boden der „Realität“ steht. Finanziell unabhängig, kurzum eine freie Frau. Denn dieses Probleme habe ich gerade selbst bewältigt.
Nicht, dass sie mich mit Geld unterstützen sollte, ich hätte nur gerne mental etwas unter die Arme gegriffen bekommen.
Die Partnerschaft sollte also ein wechselseitiges Geben und Nehmen sein. Vom anderen lernen und Gewünschtes vorleben.
Zudem sollte sie noch gut aussehen, denn nur auf die inneren Werte (das war mir aus Erfahrung bekannt) konnte ich nicht bauen.
Dazu sollte sie jemand sein, mit dem man „Pferde stehlen“ konnte, und auch die sexuelle Komponente sollte nicht außen vor bleiben. Alles in allem habe ich also enorme Ansprüche.
Ich begann konkret damit, mir eine Collage aus Pappe zu erstellen, auf der bildlich alle Komponenten meiner Traumfrau klebten. Dann setzte ich mich abends davor und malte mir in allen Einzelheiten aus, wie sie mich in den Arm nimmt, mich anlächelte und so weiter …
Nach etwa 4 Wochen, ich war gerade mit dem Auto unterwegs, sah ich im Rückspiegel, ebenfalls im Auto, eine hübsche und wie mir schien, auch eine sehr gut gelaunte junge Frau. Wir lächelten uns mehrmals an und fuhren eine ganze Weile nebeneinander her. Leider musste ich an der nächsten Kreuzung abbiegen, und so verloren wir uns aus den Augen. Mir war sofort klar, dass ich sie wieder sehen musste. Das Kennzeichen hatte ich notiert, also schrieb ich an das zuständige Landratsamt, sie hätte an der Ampel ein Teil ihres Autos verloren, welches ich ihr gerne zurückgeben möchte und bat darum, mir die Adresse zuzusenden.
Eigentlich ziemlich aussichtslos, denn diese Angaben unterliegen dem Datenschutz. Zwei Tage später rief meine Traumfrau mich an. Sie hatte meine Adresse und Nachricht vom Landratsamt erhalten, und fragte, was sie denn verloren hätte. Nun musste ich natürlich offen und ehrlich zugeben, dass ich sie kennen lernen wollte.
Wir gingen gleich am nächsten Tag abends zusammen aus. Heute sind wir immer noch zusammen und wollen dies auch bleiben. Ich habe meine Traumfrau gefunden.
Dies war wohl mehr eine Fügung als nur ein Zufall, und ich kann jedem empfehlen, stärker auf sogenannte „zufällige“ Augenkontakte und „seltsame“ Begegnungen zu achten. Oft entwickeln sich aus diesen Bekanntschaften die interessantesten Beziehungen.