Gerd, 55, aus Hannover
Meine Frau und ich leben seit circa einem Dreivierteljahr in Trennung. Wir haben zwei Kinder drei und sieben Jahren. Da war dieser Traum, und aus dem Buch der Celestine war mir bekannt, dass ein Traum „Neues“ ankündigen kann.
Kampf und unglaublichen Härten zuungunsten des Kindeswohles durch die Handhabung des bundesdeutschen Scheidungsrechtes lähmen mich auf unbeschreibliche Weise. Es war kurz vor Pfingsten, eine Zeit, in der meine Frau und ich besprochen hatten, dass an diesen Pfingsttagen die Kinder zu mir kämen. Dann kam aber alles anders. In einen der klärenden Telefonate, in denen wir gewöhnlich besprachen, an welchem konkreten Ort und zu welcher Uhrzeit wir uns treffen, wurde mir mit wenigen Worten mitgeteilt:
„Nein, es läuft nichts, wir haben umdisponiert. Die Kinder kommen nicht zu Dir“. Kurz entschlossen fuhr ich in das Büro ihres derzeitigen Lebensabschnittspartners, um sie zur Rede zu stellen. In seiner Gegenwart baute sie sich machtvoll mir gegenüber auf und sagte: „An diesem Wochenende läuft überhaupt nichts. Die Kinder bleiben bei mir“.
Panik, Angst, Machtlosigkeit. Um einer weiteren Aggression aus dem Weg zu gehen fuhr ich unverrichteter Dinge nach Hause. Weder der Rechtsanwalt noch das Jugendamt konnten mir in dieser kurzfristigen Situation weiterhelfen. So beschloss ich, allein für einige Tage in die Natur zu fahren. In dieser Nacht hatte ich einen Traum, der mir seitdem ein ständiger Begleiter ist. Und das war so:
Es war ein wunderschöner Tag, irgendwo und irgendwann. Rundherum Wiesen, Felder, in der Ferne Bäume, die Sonne schien und die Vögel waren zu hören, es war eine Idylle. Mitten auf diesem freien Feld befand sich eine Ansammlung von Menschen, die mit der Herrichtung eines Heißluftballons beschäftigt waren. Beim näheren Betrachten erkannte ich die Gesichter. Es waren meine Frau und unsere beiden Kinder sowie einige Helfer, die die technischen Voraussetzungen für diesen Start vorbereiteten. Der Ballon füllte sich langsam mit heißer Luft, er war bunt in den Farben des Regenbogens. Immer bauchiger und größer wurde er, bis er sich vom Boden abhob. Wir vier waren voller Erwarten, was uns in den Lüften begegnen sollte. Die Felder, die Menschen, die Bäume, die Wege - sie wurden kleiner, immer kleiner, und der Ballon stieg und stieg dem Himmel immer näher. Ergriffenheit und Staunen über die wunderschöne Landschaft aus der Vogelperspektive. Deutlich zu sehen waren die Abgrenzungen der Felder mit ihren unterschiedlichen Bepflanzungen, der Wuchs des Kornes, die gelbe Rapsblüte, Flüsse, Straßen mit ihren Brücken. Häuser, rote Dachziegel, das weiß gestrichene Mauerwerk der Fassaden. In einem Tal dieser bergigen Landschaft lag dichter Nebel, in den anderen war klare Sicht bis zum säumenden Horizont. Es begann alles so wunderschön. Das Gefühl der Gemeinsamkeit, Liebe, Geborgenheit erfüllte mich ganz tief.
Doch urplötzlich und ohne Vorwarnung traten Turbulenzen auf. Eine riesige schwarze Wolke tauchte ganz plötzlich vor uns auf, in der dieser Fesselballon mit dem darunter hängenden Korb hin- und her geschmissen wurde und, nicht mehr steuerbar, wie durch Geisterhand auf- und abschwebte. Meine Frau und unsere Kinder hatten sich an dem Korb angeschnallt, wie in einem Flugzeug oder Auto. Ich dagegen verlor die Balance. Die festen Haltegriffe glitten mir aus den Händen. Im freien Fall fiel ich aus dem Korb heraus. und die unter mir liegende Landschaft kam in Sekundenschnelle näher.
Abermals diese Machtlosigkeit. Handlungsunfähig und voller Angst raste mein Körper der Erde entgegen.
Das Bild änderte sich.
In meinen Traum blickte ich auf einmal auf eine Wiese, die ebenso schön war wie die, von der aus wir vor einiger Zeit mit dem Heißluftballon gestartet waren. Eine junge Frau mit langem gewellten Haar stand auf dieser Wiese, ich befand mich hinter ihrem Rücken, vor ihr war eine Staffelei, auf der eine Leinwand stand - sie war gerade beim Malen. Sie malte eine große Wiese mit Bäumen, mit einem Fesselballon, der ruhig und unbeschadet seinen Weg fortsetzte. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich mit ihrem Willen sanft in einen riesigen Heuberg fallen ließ, den ich auf ihrem Bild und in der Natur sah.
Am nächsten Morgen wachte ich auf, gerädert von diesem Traum und mit der Tatsache, an diesem fest vereinbarten Wochenende, abermals auf die Kinder verzichten zu müssen. So fragte ich eine Freundin, ob sie an diesem Wochenende Zeit hat. Ja, sie hatte. Kurz entschlossen planten wir einen Ausflug in eine nahegelegene Bergregion. Ja, in die Natur zum Energie auftanken, dass war gewiss in Ordnung. Schon nach kurzer Zeit fuhren wir mit dem Auto in Richtung des Gebirge los. Plötzlich, auf der Autobahn entdeckte ich am Himmel circa zehn Heißluftballons. Sie schwebten über die Felder auf uns zu und waren sehr gut zuerkennen, unter ihnen ein knallgelber, wie im Traum, mit einem riesigen Papagei verziert. Ich erzählte von meinem Traum, auch über meine Angst, die Verbindung zu meinen Kindern zu verlieren. Meine Freundin erwiderte: „Auch Heißluftballons müssen irgendwann einmal auf die Erde zurückkommen. Sie können sich nicht nur schwebend sich am Himmel bewegen. Irgendwann geht ihnen die Luft aus, sie haben genauso die natürliche Bindung zur Erde wie die Menschen.“ Sie sagte weiter zu mir: „Du wirst deine Kinder wiedersehen, jetzt haben sie erst einmal einen Weg, den sie selbst gehen müssen, wenn auch mit der ganzen Liebe und Kraft von Dir.“ „Blasse Theorie“, dachte ich; trotzdem, es war ein anderer Blickpunkt.
Irgendwann am Abend kamen wir in unserem Berghotel an, wir hatten vorher vorsorglich telefonisch Zimmer reserviert. Das erste, was mir auffiel - im gesamten Foyer des Hotels Heißluftballons aus Papier dekorativ hingen sie von der Decke. Auf Plakaten war ein knallgelber Ballon mit einem riesigen Papagei darauf abgebildet. Lampen aus Tiffanyglas in Form von Heißluftballons hingen über den Tischen, an denen die Hotelgäste gemütlich beisammen saßen. Selbst das Mousepad am Computer war mit einem gelben Heißluftballon und mit einem Papagei bedruckt.
Es ist das neue Firmenlogo dieses Hauses. Hier bis du richtig, dachte ich.
In der Tat, die Zukunft sollte zeigen, dass der regelmäßige Umgang mit meinen Kindern möglich ist. Allerdings nur mit sehr viel Geduld, Ausdauer und Liebe – wenn auch oft unter Zuhilfenahme von offiziellen außenstehenden Personen. (Jugendamt und Familiengericht).
Der gelbe Ballon, den wir sahen, war der hoteleigene Heißluftballon, wie mir der Inhaber berichtete. Als ich ihm von meinem Traum erzählte, sagte er: „Meine Frau Doris liest gerade die Prophezeiungen von Celestine. Die Welt ist doch wirklich klein.“
Das meine Verloren geglaubte Energie sich an diesem Wochenende nicht nur stabilisierte, sondern auf fühlbar anstieg, möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen.
Jetzt, wo ich diese Geschichte (hier in der Arbeitsgruppe) erzähle, wird mir der Traum so richtig wieder bewusst. Heute Morgen auf dem Postamt, ich sandte meinen beiden Kindern ein kleines Päckchen, und siehe da, die Deutsche Bundespost hat eine Kindersondermarke „Für uns Kinder“ mit vielen Heißluftballons herausgebracht. Seither achte ich verstärkt auf Träume, die in unmittelbarem Zusammenhang mit meiner aktuellen Lebensfrage stehen. Vor allem bin ich sensibler geworden auf Personen, die mir in den Folgetagen ihre Aufmerksamkeit schenkten.
Als ich mein Traum in der Gesprächsgruppe erzählte, gab es dazu viele spontane Ideen:
Ballon, Gelassenheit, Wind, die Situation annehmen, loslassen, Leichtigkeit des Geistes, Überblick verschaffen. Nur im geringen Maße können wir in einem Heißluftballon aktiv werden. Mit der Natur im Einklang. Kein bestimmtes Ziel. Den Weg genießen - der Weg ist das Ziel.