Gerd, 55, aus Hannover
Wochen später berichtete uns Gerd, der sich seither ständig mit den Prophezeiungen der Celestine beschäftigt hatte, was inzwischen geschehen war:
Horst und Gisela bereiteten ein Segelwochenende vor. Am Donnerstagabend telefonierten wir und da ich für die nächsten drei Tage frei war, entschied ich mich, mit den beiden das Wochenende auf dem Segelboot zu verbringen. Dies kam mir insofern entgegen, als dass ich sehr tief im Celestine-Thema der Kontrolldramen steckte. Wieder ein Wochenende, an dem meine Frau und ich keinen gemeinsamen Konsens finden konnten. Ich war tief berührt, fühlte mich machtlos und verletzt. Das lähmte mich in einer Art und Weise, wie ich es noch nie zuvor kennen gelernt hatte.
So packte ich also einige Sachen in meine Reisetasche, für alle Fälle auch etwas Warmes und ein Paar Segelschuhe, um beim Belaufen des Teakdecks einen festen Halt auch bei Seegang zu haben. Am Freitag trafen wir uns am Hamburger Yachthafen in Wedel. Bei gutem Wetter segelten wir ein paar Stunden elbabwärts. Abends ankerten wir in einer Bucht, wo wir gemeinsam das Abendessen bereiteten und tiefe Gespräche führten, um die Kontrolldramen der Celestine besser einordnen und verstehen zu können.
Spät am Abend legte jeder sich in seine Koje. Leichtes und sanftes Schaukeln wiegte mich in den Schlaf. Gedanken kamen aus der Vergangenheit über mich. Betroffen wie ein Gehetzter oder Verfolgter wurde mir immer klarer, dass ich meine Kinder aus der Sicht einer gemeinsamen Familie loszulassen hatte. Traurigkeit, Hilflosigkeit und Mutlosigkeit überkamen mich. Ich bat das Universum um Hilfe. Im tiefen Schlaf, der mich wie auf einer Wolke schwebend weit forttrug, hörte ich die Stimme meines Rechtsanwaltes: „Arbeiten Sie, helfen Sie Menschen, wo auch immer Sie können und beobachten Sie, wie sich die Dinge im Laufe der Jahre verändern.“
Plötzlich wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Ich lag auf meiner rechten Seite und wunderte mich, dass Horst, der im Vorschiff mit Gisela schlief, auf der seitlich herunter geklappten Tischplatte nach Achtern turnte. Ich hörte ihn fluchen und hantieren. Wieso läuft Horst seitlich über den Tisch? Na schau einmal, was da draußen ist!
Das Boot war bei Ebbe trocken gefallen. Es lag auf der Seite. Horst war böse über seine Unaufmerksamkeit. „Das ist mir in fünfundzwanzig Jahren noch nicht passiert“. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Welch ein Zufall! Wir hatten somit die Möglichkeit, es war gerade morgens vier Uhr, uns in aller Ruhe mit der aufgehenden Sonne auf die Energiefelder zu konzentrieren, wie in der Celestine beschrieben. Eine ungewöhnliche Begegnung mit der Natur. Aus dem Schilf und den Wiesen kamen die Stimmen der Vögel, ein wunderschönes, harmonisches Naturorchester. Wir versuchten, am Ufer die Energiefelder zu sehen. Ein leichtes Flimmern über dem Schilf konnten wir wahrnehmen. Unsere missliche Situation hatten wir jetzt, „energiegeladen“, völlig vergessen.
Bei einsetzender Flut richtete sich das Schiff langsam wieder auf. Wind kam auf, wir konnten alsbald die Segel setzen. In aller Gemütlichkeit ging es weiter elbabwärts. Ich stand kurze Zeit am Ruder, um ein Gefühl für das Schiff zu bekommen. So ein Boot, stellte ich fest, hat seine eigenen Gesetze und somit auch seine eigenen Ansprüche in der Handhabung. Es wurde kälter, Ölzeug sowie die Rettungswesten wurden notwendig. Derzeit hatten wir achterlichen Wind und Tidenwechsel, d.h. das aus der Nordsee auflaufende Wasser begegnet hier dem ablaufenden Wasser. Durch das stark aufgewühlte Wasser sowie einfallende Böen und die extreme Schräglage des Bootes, musste der Spinnacker (Segel) sofort geborgen werden. Ständig ergaben sich neue Ruder und Segelkorrekturen, es entstand Hektik.
Ich, die Landratte, hatte solche Wellenberge und solchen Wind bisher allenfalls von Land aus beobachten können, aber nie und nimmer auf einem Segelboot. Mir wurde etwas flau in der Magengegend und meinen Körper überkam eine ungeheure Spannung. Horst stand in diesem Moment auf dem Vorschiff, um den Spinnacker einzuholen. Das Boot lag in einer extremen Schräglage, das Wasser lief schon über das Seitendeck. Gisela stand erstarrt am Ruder, zeigte kaum Reaktionen. Horst wies sofort einen Wechsel am Ruder an und gab mir die nötigen Befehle, um den Kurs zu halten.
Noch nie in meinem Leben, war ich solchen extremen und mächtigen Naturkräften ausgesetzt gewesen.
Ähnlich unserem Celestine-Romanhelden auf der Bergspitze fühlte ich nach wenigen Augenblicken eine völlige Leichtigkeit. Jede meiner Zellen war mit den Bewegungen des Bootes verbunden. Nicht ich steuerte, sondern ES steuerte durch mich. Das sich immer wiederholende Eintauchen des Vorschiffes in die Wellentäler, die ständig einfallenden Böen warfen das Schiff hin und her. Ich war erfüllt von einem unbeschreiblichen Gefühl der Leichtigkeit; die Gewissheit, hier das absolut Richtige auszuführen, gaben mir Kraft und Sicherheit. Ich fühlte mich eins mit meinen Energien, denen des Windes, des Wassers und des Bootes.
Ein wundervoller Einstieg, dem noch eine Vielzahl weiterer Segeltörns folgten.